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Warum Frauen oft unterschätzt werden

Ist es dir als Frau schon einmal passiert, dass du unterschätzt wurdest?
Mir passiert das immer wieder.
Man merkt es daran, wie man behandelt wird, wie man angesehen wird, oder was man gesagt bekommt.

Wenn man unterschätzt wird, hat dies meiner Meinung nach mit 4 Dingen zu tun:

  1. Optik
  2. Auftreten/Ausstrahlung
  3. Ausbildung
  4. Geschlecht

Fangen wir mit dem 1. Punkt an: der OPTIK

Menschen werden sehr oft aufgrund ihrer Optik unterschätzt. Das liegt daran, weil Menschen dazu neigen andere aufgrund ihrer Optik zu kategorisieren und in Schubladen einzusortieren. Diese Schubladen haben sie sich in ihrem Inneren selbst zurechtgelegt, vielleicht aufgrund von Erfahrungen und eigenen Werten, oder aufgrund von Einstellungen die ihnen mitgegeben wurden, etc.

Schauen wir uns das anhand von Beispielen an:

Beispiel 1
die stets modisch gekleidete, schön geschminkte und Pumps tragende Kollegin
Beispiel 2
die weibliche Führungskraft mit langen blonden Haaren, schlanker Figur und Luise Vuitton Tasche

Schubladendenken:

  • Was für ein Püppchen die doch ist.
  • Die muss aber Zeit/Geld haben um sich täglich so herrichten zu können.
  • Gott, ist die overdressed.
  • Die meint auch, sie wäre etwas Besseres.
  • Die ist sicher doof.
  • Die will doch nur die Aufmerksamkeit der männlichen Kollegen haben.
  • Wie ist die nur an ihren Posten gekommen? Die hat sich sicher hochgeschlafen.
  • Sie wie die aussieht, kann sie sich sicher nicht durchsetzen.
  • Die ist eingebildet und arrogant.

Na? Hab ich euch erwischt? Ich bin mir sicher, ihr habt schon mal derartige Gedanken gehabt wenn euch Beispiel 1 oder 2 über den Weg gelaufen ist. Und ich gebe es zu, auch mir ist schon mal der eine oder andere Gedanke gekommen. Heute allerdings weiß ich es besser. Ich lehne Schubladendenken komplett ab. Die Optik mag vielleicht etwas über die persönlichen Präferenzen aussagen, aber sie ist kein zuverlässiger Indikator für Intelligenz, Können oder Persönlichkeit. Jemanden aufgrund seiner Optik zu unterschätzen, sagt mehr über denjenigen aus, der unterschätzt, als über die Person die es betrifft.

Punkt 2: Auftreten/Ausstrahlung

Gerade bei uns Frauen kommt es sehr oft vor, dass wir nicht nur aufgrund unserer Optik, sondern auch aufgrund unseres Auftretens unterschätzt werden.
So stellt euch mal eine junge Frau im Job vor, die sich nicht in den Mittelpunkt drängen möchte und stattdessen lieber still und fleißig im Hintergrund arbeitet. Sie arbeitet dem Chef zu, kommt vielleicht auch zu Meetings mit, jedoch spricht sie dort nicht, sondern nimmt nur die „Befehle“ – gut, sagen wir Anweisungen 😉 – des Chefs entgegen. Wenn sie angesprochen oder angeblickt wird, senkt sie schüchtern den Blick, spricht mit leiser, unsicherer Stimme oder wird rot. Sie strahlt Unsicherheit aus, vielleicht auch Unbehagen.

Manchmal sind wir Frauen auch zu höflich. Wir wollen schließlich niemandem zu Nahe treten. Wir sind einfühlsam und denken daran, eventuell jemanden verletzten zu könnten. Nein, das wollen wir nicht. Schließlich wollen wir auch gern gehabt werden. Niemand möchte als Furie gelten oder als unsympathisch.

Eines meine Lieben gebe ich euch Schwarz auf Weiß:
Unsichere Menschen oder auch stets „höflich zu unhöflichen“ Menschen kommen unter die Räder. Und dabei ist es egal ob sie gut sind in dem was sie tun oder nicht.

Wer nicht für sich selbst einsteht, nicht für sich selbst aufsteht, nicht auf sich aufmerksam macht, nicht von sich selbst überzeugt ist, wird IMMER unterschätzt werden und bleiben.

Wenn ihr ernst genommen werden wollt, dann müsst ihr zu aller erst von euch selbst überzeugt sein. 

Meiner Erfahrung nach, sind zB die ruhigen Menschen im Job meist jene, die 1a arbeiten. Sie sind fleißig, intelligent und engagiert. Nicht alle, aber sehr viele. Oftmals schaukeln sie den kompletten Laden, treten jedoch nie in Erscheinung. Niemand erfährt von ihnen. Niemand weiß, wie gut sie sind. Nicht mal sie selbst erkennen oft, wie gut sie tatsächlich sind.

Deshalb denkt um. 

Es gibt so viele Dampfplauderer da draußen, die außer groß reden nichts auf dem Kasten haben. Glaubt mir, ich kenne genug davon und ich komme in meinem Job mit sehr vielen unterschiedlichen Institutionen, Menschen und Hierarchien zusammen. 

Ich bin mir sicher, ihr habt 100x mehr drauf, als diese Dampfplauderer. Deshalb könnt ihr euch ruhig was trauen und für euch einstehen.  Ihr steckt die alle mit eurer Kompetenz in die Tasche, wenn ihr von euch selbst überzeugt seid und das auch von Innen nach Außen strahlt.

Auch ich selbst darf was diesen Punkt betrifft täglich dazu lernen.

Punkt 3: Ausbildung

Viele Menschen werden oftmals unterschätzt, weil sie zB nicht studiert haben. Gerade in Österreich spielt der Titel vor dem Namen noch eine große Rolle. Der Herr Magister oder die Frau Doktor genießen oftmals schon einen Respektsvorsprung gegenüber jenen, die keinen Titel tragen. Sie werden von Haus aus als „besser“, „kompetenter“ oder „intelligenter“ eingestuft.

Auch ich hab mal so gedacht. Als ich 21 Jahre alt war, hab ich begonnen im Öffentlichen Dienst zu arbeiten. Als junges Mädchen hatte ich großen Respekt vor dem Herrn Amtsdirektor, dem Herrn Doktor, dem Herrn Büroleiter und wie sie auch immer alle geheißen haben. Erst als ich mit ihnen zu tun hatte und merkte, dass die Herrschaften zum Teil weniger drauf hatten, als ich mit meinen 21 Jahren (vielleicht meint ihr jetzt, das wäre überheblich von mir, aber 1.) Achtung Schubladendenken und 2.) es war so), verflog die Hochachtung und ich merkte:
Ein Studium allein, bedeutet nicht, dass die Person gut ist, indem was sie tut.

Hausverstand, soziale Intelligenz, Engagement, Mitarbeiterführung, Entscheidungskompetenz, Mut und Stressresistenz haben viel mit Persönlichkeit zu tun.

Deshalb sage ich: ja, studiert wenn ihr wollt, bildet euch weiter, erweitert euren Horizont, aber lasst euch niemals einschüchtern von Titeln oder Ausbildungen die ihr nicht habt.
1. Könnt ihr alles nachholen und 2. hängt es von eurer Persönlichkeit ab, wie gut ihr schlussendlich sein werdet. Natürlich braucht man gewisse Grundkenntnisse um einen Job ausführen zu können.
Es ist jedoch nicht die Ausbildung ausschlaggebend, sondern die Persönlichkeit, die eine Ausbildung erst zum Leben erwecken kann.

Glaubt an euch!

Punkt 4: Geschlecht

Ich behaupte, als Frau wird man häufiger unterschätzt als Männer. 

Auch hier hab ich ein Beispiel für euch, wie man als Frau unterschätzt werden kann, weil man eine Frau ist.

Als ich 19-20 Jahre alt war, arbeitete ich in einem Unternehmen, das Farben und Putze produzierte und vertrieb. Ich arbeitete dort als Bürokraft. Ich war tagtäglich mit Kunden in Kontakt und musste daher über unsere Produkte Bescheid wissen. Oftmals musste ich sogar telefonische Beratungen zu einem Produkt durchführen oder auch im Verkauf aushelfen. 

Ich gehöre von jeher zu jenen, die ihre Arbeit gut machen wollen. Ich bin immer ein sehr engagierter Mensch gewesen und auch stets sehr interessiert. Egal welche Arbeit ich annahm, ich kniete mich voll rein. So auch hier. Ich kannte unseren Produktkatalog bald in und auswendig, ich schrieb Lieferscheine, nahm Bestellungen an und ich war gut indem was ich tat. Eines allerdings ärgerte mich. Ich konnte Beratungen nicht zu 100 % gut durchführen, weil ich selbst keine Erfahrungen mit den Produkten hatte. Ich wusste oft nicht genau, für was das eine oder andere gut oder nicht gut war.

Kein Problem dachte ich. Unser Unternehmen bot schließlich laufend Schulungen an. Dort wurden die Produkte ausprobiert und angewendet. So wurden den Kunden Neuheiten präsentiert oder ihnen beigebracht wie sie diese anzuwenden hatten. Meine männlichen Kollegen nahmen regelmäßig an diesen Schulungen teil. Also ging ich zu meinem Chef und teilte ihm mit, dass ich auch gerne an diesen Schulungen teilnehmen wollte.

Wisst ihr wie er reagiert hat?

Er hat mich ausgelacht.
Was? Du willst an den Schulungen teilnehmen? Nein, das geht auf gar keinen Fall. 

Er lehnte es ab, weil ich eine Frau war. Was würden die ganzen männlichen Teilnehmer denken?

Da stand ich nun, mit meinen 19-20 Jahren. Wissbegierig, engagiert und gut indem was ich tat… Und ich durfte mich nicht weiterentwickeln, weil ich eine FRAU war.

In seinen Augen sollte ich mich auf das Telefon, die Cafetheke und den ganzen Bürokram konzentrieren. Er unterschätzte mich total, nur weil ich eine Frau war. Ich wäre eine Bereicherung für das Unternehmen geworden, weil ich es WOLLTE. Stattdessen hab ich das Unternehmen verlassen. Nein, hier würde es keine Zukunft für mich geben. Als ich ging, war es nicht mein Verlust, es war ein Verlust für das Unternehmen.

So müsst ihr es sehen. Lasst euch niemals von jemandem sagen, was ihr als FRAU könnt, dürft oder nicht. 

Und eines sage ich euch an dieser Stelle auch:

Wir Frauen von heute, sind nur ein Problem für Männer von gestern.
Diese Männer sind nicht die Zukunft, sie sind die ewig Gestrigen.

Ich weiß, dass viele, viele Frauen tagtäglich das Problem haben unterschätzt zu werden. Sie ärgern sich darüber. Es macht traurig und es enttäuscht. Ich verstehe das. Vielleicht wird es nie aufhören, aber was wir machen können ist:

  1. Glaubt an euch selbst. Haltet euch vor Augen was ihr könnt und wisst, dass andere auch nur mit heißem Wasser kochen. Andere sind oftmals mehr „Schein“ als „Sein“. Ihr gehört zum „Sein“. Ihr habt es drauf. Setzt euch für euch selbst ein. Bewegt euch aus dem Schatten. Tretet in Erscheinung. 
  2. Hört auf, euch als Frauen gegenseitig schlecht zu machen! Das ist mir wirklich ein Anliegen. Wir haben keine Lobby, weil wir uns nicht mal für uns selbst gegenseitig stark machen. Wer andere Frauen herunter macht und geringschätzt oder unterschätzt, schwächt Frauen generell. Denn er bzw. sie hält Klischees aufrecht.
  3. Stoppt das Schubladendenken. Akzeptiert die Individualität eines jeden Menschen und vergleicht nicht immer alles mit euch selbst.

In diesem Sinne, 

alles Liebe
Kerstin

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