Gedankenspiele

Die Corona-Krise – auf der Suche nach dem Guten im Schlechten

Der Coronavirus hält die Welt in Atem.

Die Regierungen straucheln, manche handeln schneller, manche zögern mit der Erlassung von drastischen Maßnahmen zur Eindämmung bzw. langsameren Ausbreitung der Krankheit und damit der Sicherstellung von verfügbaren Intensivbetten in den Krankenhäusern für schwere Erkrankungsfälle.

In Italien – unserem Nachbarland – ist die Lage eskaliert und man mag sich das Grauen und den Schrecken gar nicht ausmalen, mit dem die Regierung, die Bürger und vor allem die Ärzte/Ärztinnen, sowie sämtliches Pflegepersonal und medizinisches Personal, konfrontiert sind.

Auch hier in Österreich steigen die Zahlen erkrankter Menschen rasch an.

Die Nachrichten überschlagen sich und es scheint als gäbe es nur noch 1 Thema: CORONA.

Die Menschen haben Angst vor dem unsichtbaren Feind und halten sich –  in Österreich zumindest zum großen Teil – an die von der Regierung festgelegten Ausgehbeschränkungen. Niemand weiß wie lange es dauern wird, aber alle hoffen, dass wir es gesund und heil überstehen werden und dass danach für jeden Einzelnen auch in wirtschaftlicher und finanzieller Sicht das Leben weiter gehen kann.

Ich bin schwanger. Im 9. Monat.

Und plötzlich mit einer beängstigenden Situation konfrontiert. Die Fragen in meinem Kopf werden täglich mehr und die Ungewissheit über die eigene Gesundheit, die des Kindes, die meines Mannes und zur bevorstehenden Geburt steigt. Niemand kann wirklich Antworten liefern, da einfach die Erfahrungswerte oder Studien fehlen. Wir können also nur das Beste hoffen.

In solchen Ausnahmesituationen ist es wichtig nicht in der Sorge zu verweilen und sich den ganzen Tag mit negativen Schlagzeilen zu beschallen.
Aus diesem Grund habe ich mich auf die Suche nach dem GUTEN im SCHLECHTEN gemacht und bin fündig geworden.

Zeit zu entschleunigen

Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen sind die Menschen (mit Ausnahme jener Berufsgruppen, die dieser Tage tagtäglich in vorderster Front für uns ihr Bestes geben) an ihr zu Hause gebunden. Kreisten die Gedanken sonst um Leistung und Punkte von der täglichen im Kopf gespeicherten Erledigungsliste abzuarbeiten, so fällt der Arbeits- und Alltagsstress plötzlich weg. Wir entschleunigen.

Man ist jetzt mit viel freier Zeit konfrontiert, die man zu Hause verbringt. Was tun?

Die Chance dahinter ist, dass wir wieder mehr zu uns selbst finden und uns selbst wahrnehmen können. 

Die Werte verschieben sich

Unsere von Konsum geprägte Gesellschaft verändert sich diese Tage.  Nahmen materielle Dinge vor kurzem noch einen hohen Stellenwert bei vielen Menschen ein, so besinnt man sich wieder darauf was wirklich zählt:

Nämlich das Beisammensein mit den liebsten Menschen.

Das vorab oft nicht Wahrgenommene oder das „Normalste der Welt“, wird wieder zu etwas Besonderem. Die eigene Mutter oder den Vater zu umarmen,  gemeinsames Essen am Esstisch, Gespräche führen und sich für den anderen nicht nur mit einem halben Ohr, sondern voll und ganz zu interessieren. Gesellige Momente werden wieder bewusst wahrgenommen. Sei es das Spielen mit den Kindern oder das gemeinsame Kochen.

Regional statt global

Dieser Meinung war ich schon immer!!

Wer bitte braucht Knoblauch aus China wo Knoblauch doch auch bei uns wächst. So steht der Knoblauch hier stellvertretend für viele, viele Dinge, die im Laufe der letzten Jahrzehnte von den Großkonzernen, der EU und den Wirtschafts- und Machttreibenden ausgelagert wurden. Was es uns gebracht hat? Billige Preise, für billige und oftmals sogar gesundheitsschädigende Ware. Billigprodukte zu Lasten der Qualität und auch so mancher Arbeitskraft vor Ort.

Oder billig produzieren und zu überteuerten Preisen verkaufen (siehe Markenware), um so den Umsatz zu steigern. Profiteure sind immer die Großkonzerne, nicht der Bürger. Der hat vielleicht Kochutensilien zu Cent-Preisen ergattert, dafür jedoch qualitativ Abstriche machen müssen. Vielleicht war die Waschmaschine, der Geschirrspüler, etc. nicht so teuer, dafür dauert es aber nur 3 Jahre bis die ersten Plastik-Teile kaputt gehen.

Jeden 2. Tag Fleischkonsum – heutzutage kein Problem. Schließlich kostet das Hühnchen oder das Schweinsschnitzel beim Diskounter quasi nix.  Unter welch grausamen Bedingungen Tiere gehalten und ernährt werden, ist dabei egal. Auch, dass sie oft tausende Kilometer Transport hinter sich haben…

Back to the roots

Die Corona Krise birgt die Chance in sich, den heimischen Betrieben wieder einen Stellenwert in unserer Gesellschaft zu geben.

Einerseits will man helfen und kleine Betriebe in dieser schweren existenziell bedrohlichen Situation unterstützen und andererseits erlebt man zB bei Medikamenten wie angewiesen man auf andere Länder und ihre Lieferungen ist.

Wir haben nun die Möglichkeit Stopp zu sagen zu Massenware und wieder ein Gefühl für heimische Qualitätsware nach ordentlichen, mensch- und tierwürdigen Standards zu bekommen.

Die Umwelt erholt sich

Wer hat es nicht gehört? Das Wasser in der venezianischen Lagunenstadt ist wieder klar, blau und es tummeln sich sogar Fische darin. Angeblich finden sogar Delfine zurück in die Lagune, die von Massentourismus/Kreuzfahrtschiffe geplagt wurde. Die Schiffe sind verschwunden, die Umwelt erholt sich.

Viele Flugverbindungen wurden eingestellt. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, was dies Positives für unsere CO2-Werte bedeutet.

In China, so sagt man, hat sich der seit Jahrzehnten vorhandene Smog wieder gelichtet und zum ersten Mal sah man wieder den blauen Himmel.

Während die Umwelt weltweit ein Stück verschnaufen und sich erholen kann, erleben wir Menschen die Natur neu.

Wir sind zu Hause, in unseren Gärten oder machen einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft (natürlich nur alleine oder mit den Menschen, mit denen wir zusammen leben). Wir hören die Vögel bewusst zwitschern, riechen die klare Luft, genießen die Sonne auf der Haut oder stärken uns in kraftvollen Wäldern. Haben wir das zuvor vielleicht durch den Alltagsstress oder der Dauerbeschallung durch das Handy nicht mitbekommen, so bekommt die Natur in dieser Krise eine ganz neue Bedeutung für uns.

Menschlicher Zusammenhalt

Wir rücken in dieser Krise – trotz Räumlicher Trennung – vermehr zusammen und unterstützen uns.

Die Gedanken kreisen vermehrt um die Familie, wie man helfen und unterstützen kann. Nachbarschaftshilfe wird ebenfalls wieder groß geschrieben und es wird Wert auf Zusammenhalt gelegt. Ein großer Dank gilt auch jenen, die beruflich tagtäglich ihr Bestes für uns geben und unermüdlich für uns im Einsatz sind.

Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam werden wir das schaffen. Niemand ist allein.

Bewusster Leben

Von einen Tag auf den anderen ist alles anders. Diese Krise birgt die Chance in sich, bewusster zu leben. Sich und sein Verhalten mehr zu reflektieren. Vielleicht mal das Handy aus der Hand legen und ein Buch lesen. Die Möglichkeit mit den Kindern zu basteln und bewusst Zeit zu verbringen, statt abends genervt und müde vor dem TV zu sitzen. Die Familie und deren Wert wieder bewusst wahrzunehmen und nicht zuletzt sich selbst als Mensch zu erleben, der im Einklang mit der Natur lebt.

Anstatt uns Sorgen zu machen und ängstlich zu sein, können wir die Tage und Wochen zu Hause auch als Chance wahrnehmen.

  • Wir können sie bewusst gestalten und mit Dingen füllen, die uns gut tun, für die wir sonst keine Zeit haben.
  • Wir können ausschlafen, kreativ sein, bewusst Zeit mit den Kindern oder dem Partner verbringen.
  • Wir können unser zu Hause zu einer Wohlfühloase gestalten und zu einem Ort machen, an dem wir glücklich und geborgen sind.

Das Wesen einer Krise ist es, das alles was war wie ein zu Boden fallender Spiegel in Einzelteile zerbricht. Am Ende jedoch werden diese Einzelteile wieder zu einem neuen, heilen, Spiegel zusammengefügt und wir gehen gestärkt aus der Krise hervor.

Mit diesem Gedanken möchte ich schließen und schicke euch

alles Liebe,
Kerstin

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